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Vier-Tage-Woche für alle? 😨

Die Vier-Tage-Woche wird immer beliebter. Aber welche Vorteile sprechen wirklich für sie und welche Herausforderungen gehen damit einher? Wir haben das einmal unter die Lupe genommen.
Vier-Tage-Woche für alle ist das wirklich sinnvoll?

Warum fünf Tage arbeiten, wenn es auch in vier Tagen geht? Die Idee einer Vier-Tage-Woche für alle ist in den letzten Jahren immer populärer geworden. Aber ist sie auch die Lösung des Problems? In diesem Blogbeitrag erfährst du, warum eine verkürzte Arbeitswoche die Lebensqualität und Produktivität verbessern kann, aber auch Herausforderungen mit sich bringt. Ist die Vier-Tage-Woche am Ende gar nicht DIE Lösung für alle?

Darum geht es in diesem Artikel


Ursprünge der Fünf-Tage-Woche

Einer der wichtigsten Wegbereiter der Fünf-Tage-Woche war der amerikanische Sozialreformer Henry Ford. Ford ging davon aus, dass eine kürzere Arbeitszeit die Produktivität steigern würde, da die Arbeiter ausgeruhter und motivierter wären. Ford führte 1926 in seiner Autofabrik in Detroit die Fünf-Tage-Woche mit einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden ein¹.

In Deutschland geht die Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf die Forderungen der Gewerkschaften zurück, die sich beharrlich für eine kontinuierliche Arbeitszeitverkürzung einsetzten. In der Nachkriegszeit betrug sie durchschnittlich 48 Stunden. 1955 forderte der Deutsche Gewerkschaftsbund zum Maifeiertag “40 Stunden Arbeit sind genug!”. Es folgte eine Kampagne zur Einführung der Fünftagewoche unter dem Motto “Samstags gehört Vati mir”. Ziel der Kampagne war die Einführung einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden (5 Tage à 8 Stunden).

1957 war die Zigarettenindustrie die erste Branche, in der die 40-Stunden-Woche tariflich vereinbart wurde. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die Fünf-Tage-Woche dann als Normalarbeitszeit eingeführt (allerdings nicht gesetzlich geregelt).


Woher kommt die Vier-Tage-Woche?

Die Idee der Vier-Tage-Woche ist nicht neu. Sie wurde erstmals Ende des 19. Jahrhunderts von verschiedenen Gewerkschaften vorgeschlagen. Verkürzte Arbeitszeitmodelle waren bereits in den 1920er Jahren in einigen Ländern wie den USA und Großbritannien populär.².

In den 70er Jahren erlangte die Vier-Tage-Woche erneut an Popularität. In vielen Ländern wurden Pilotprojekte durchgeführt, um die Auswirkungen einer kürzeren Arbeitswoche zu untersuchen. Die Ergebnisse waren vielversprechend. Die Arbeitnehmenden waren zufriedener, produktiver und weniger gestresst.

In den letzten Jahren hat die Vier-Tage-Woche wieder an Popularität gewonnen. Dies ist vor allem auf die zunehmende Digitalisierung und den Trend zum flexiblen Arbeiten zurückzuführen. Auch die wachsende Bedeutung des technologisches Fortschritts und flexibler Arbeitsmodelle, sowie der Wunsch, die Work-Life-Balance zu verbessern, die Produktivität zu steigern und die Arbeitszufriedenheit zu erhöhen, fördern die Popularität der Vier-Tage-Woche.

Unternehmen und Beschäftigte erkennen immer häufiger Vorteile, die eine verkürzte Arbeitswoche mit sich bringen kann. Laut Studien befürwortet eine Mehrheit der Bevölkerung die Vier-Tage-Woche (76 % der Beschäftigten³). In einer Studie des Tech-Unternehmens HubSpot⁴ gaben 54 % der Befragten an, dass sie sich für eine kürzere Arbeitswoche entscheiden würden, wenn sie die Wahl zwischen einer Gehaltserhöhung und einer Vier-Tage-Woche hätten.


Wie arbeiten andere Länder?

Weltweit wird die Vier-Tage-Woche in verschiedenen Pilotprojekten von zahlreichen Unternehmen und Ländern getestet und erprobt. Dazu gehören neben Deutschland beispielsweise Großbritannien, Spanien, Neuseeland, Schweden, Belgien oder Japan. Standardisiert wurde die Vier-Tage-Woche bisher nur in Belgien und Island. Island führte von 2015 bis 2019 ein Pilotprojekt⁵ mit einer Vier-Tage-Woche für 2.500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch. Die Ergebnisse waren so positiv, dass die Regierung 2021 die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich einführte. Belgien geht seit Anfang 2022 einen anderen Weg⁶. Dort gibt es die Möglichkeit, an vier Tagen pro Woche zu arbeiten. Dies ist allerdings nur in Kombination mit der in Belgien üblichen Wochenarbeitszeit von 38 Stunden möglich (also 9,5 Stunden pro Tag). Ein direkter Vergleich der verschiedenen Arbeitsansätze mit Deutschland gestaltet sich jedoch aufgrund der unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Länder schwierig.

Studienlage – Ist doch eindeutig, oder?

Die Auswirkungen der Vier-Tage-Woche auf die Produktivität und das Wohlbefinden der Erwerbstätigen wurden in zahlreichen Studien untersucht. Bei der Einordnung der Studienergebnisse zur Vier-Tage-Woche sind die Umsetzungsbedingungen, die politische und wirtschaftliche Situation, die Branchenanforderungen und die (meist positive) Grundeinstellung der Studienteilnehmenden zu berücksichtigen. So kommt die Bertelsmann Stiftung in ihrer Studie⁷ „Zwischen Wunsch und Wirklichkeit – Unter- und Überbeschäftigung auf dem deutschen Arbeitsmarkt“ zu dem Ergebnis, dass Vollzeitbeschäftigte im Durchschnitt überbeschäftigt sind und ihre tatsächliche Arbeitszeit gerne deutlich reduzieren würden. Laut dem Pilotprojekt 4 week day⁸ stieg der Umsatz der teilnehmenden Unternehmen während der Testphase um 39% im Vergleich zu einem ähnlichen Zeitraum in den Vorjahren. Die Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten sich während des Versuchs um 55 Prozent verbessert, während ihr Stresslevel um 39 Prozent und die Krankheitstage um 57 Prozent zurückgegangen seien. Ähnlich positiv sind die Ergebnisse der Langzeitstudie “Iceland’s Journey To A Shorter Working Week”⁹ in Island. Dort stiegen sowohl das Wohlbefinden als auch die Produktivität der Teilnehmenden. Insgesamt fühlten sich die Arbeitnehmenden weniger gestresst und hatten mehr Zeit für Familie und Freizeit. Auch das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) hat kürzlich den Nutzen der Vier-Tage-Woche für die Beschäftigten untersucht und kam dabei vor allem zu positiven Ergebnissen¹⁰. In den bisherigen Ergebnissen bekannter Studien ist kaum etwas Negatives über die Auswirkungen der Vier-Tage-Woche zu finden. Als potenziell kritisch werden vor allem mögliche langfristige ökonomische Folgen gesehen. Im Folgenden werden mögliche Vor- und Nachteile noch einmal getrennt betrachtet.

Vorteile der Vier-Tage-Woche

Die Vorteile der Vier-Tage-Woche sind zahlreich und verlockend. Wer hätte nicht gerne einen zusätzlichen freien Tag in der Woche, um sich seinen Hobbys oder der Familie zu widmen? Aber auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann die kürzere Arbeitswoche sinnvoll sein. Denn wer weniger arbeitet, ist oft effektiver und motivierter bei der Sache. Studien zeigen, dass Beschäftigte mit einer Vier-Tage-Woche deutlich weniger Fehltage haben und zum Beispiel seltener an Burnout erkranken. Auch die Produktivität steigt: Aus vielen Betrieben wird berichtet, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trotz des verkürzten Arbeitstages genauso viel schaffen wie vorher¹¹ ¹². Zudem kann die Vier-Tage-Woche dazu beitragen, Fachkräfte zu halten oder sogar neue Talente anzuziehen. Kurzum: Zumindest auf den ersten Blick bietet die Vier-Tage-Woche viele Vorteile für alle Beteiligten. Doch welche Nachteile zeigen sich auf den zweiten Blick?

Nachteile der Vier-Tage-Woche

Auf den zweiten Blick bringt die Vier-Tage-Woche auch einige Herausforderungen mit sich, die es zu berücksichtigen gilt. Einer der größten Nachteile ist, dass die gleiche Arbeit in weniger Zeit erledigt werden muss. Das ist nicht nur in Zeiten des Fachkräftemangels schwierig bis unmöglich. Denn wie soll etwas, das schon jetzt in 40 Stunden nicht geschafft wird, in weniger Stunden erledigt werden können? Wird die Arbeitszeit nicht reduziert, sondern auf die verbleibenden Tage verteilt, stellen sich insbesondere für Familien mit Kindern Fragen wie: Wer betreut meine Kinder über neun oder zehn Stunden am Tag? Auch in Branchen mit hohem Arbeitsaufkommen / Kundenkontakt oder wenn Überstunden notwendig werden, sind Stress und Überlastung vorprogrammiert. Darüber hinaus ist das Modell nicht in allen Branchen wirtschaftlich umsetzbar bzw. nicht für alle Unternehmen tragbar. Zum Beispiel, wenn die Kundenbetreuung rund um die Uhr gewährleistet sein muss oder bei verkürzten Arbeitszeiten automatisch ein höherer Personalbedarf entsteht. Zudem ist erwiesen, dass die Konzentrationsfähigkeit des Menschen nach fünf bis sechs Stunden Arbeit stark nachlässt¹³ ¹⁴. Es ist daher fraglich, ob eine Vier-Tage-Woche bei gleichzeitiger Erhöhung der täglichen Arbeitszeit von z.B. acht auf zehn Stunden die Produktivität tatsächlich steigern würde. Weitere Aspekte, die bei einer Vier-Tage-Woche zu berücksichtigen sind: Gehaltsreduktion: Wenn die Wochenarbeitszeit reduziert wird, könnte dies zu einer proportionalen Lohnkürzung führen. Dies könnte negative Auswirkungen auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben, die auf ein bestimmtes Einkommen angewiesen sind. Anpassungsschwierigkeiten: Die Umstellung auf ein neues Arbeitszeitmodell könnte eine Anpassungsphase erfordern, in der sich Beschäftigte und Unternehmen an die neuen Arbeitsmuster gewöhnen müssen. Eingeschränkte Verfügbarkeit: Bei einer Vier-Tage-Woche könnten Beschäftigte einen zusätzlichen Tag abwesend sein, was die Verfügbarkeit für Kunden, das Team und Projekte einschränken könnte. Umstrukturierung der Arbeitsabläufe: Eine Vier-Tage-Woche könnte zu einer Umstrukturierung der Arbeitsabläufe führen, um die gleiche Arbeit in weniger Zeit zu erledigen. Dies kann zu zusätzlichen Kosten und Belastungen führen. Auswirkungen auf Altersrente: Durch die Reduzierung der Arbeitszeit und damit auch des Lohns sind die Einzahlungen in die Rentenkasse geringer, was zu einer geringeren Rente im Alter führt.

Individuelle Wege zu kollektivem Erfolg

Es ist richtig, dass oft ein ungesundes Ungleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben besteht. Der Ansatz der Vier-Tage-Woche kann eine von vielen Möglichkeiten sein, um dieses Gleichgewicht wiederherzustellen. Bei all diesen Überlegungen gerät jedoch allzu oft der Mensch aus dem Blickfeld, obwohl er doch eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte. Neben der Wirtschaftlichkeit der Unternehmen (= maximale Produktivität und Gewinne) sollte es vor allem darum gehen, Arbeit flexibler zu gestalten und Sorge für die individuellen Bedürfnisse der Beschäftigten zu tragen. Statt ein Modell wie die Vier-Tage-Woche flächendeckend allen Beteiligten überzustülpen, sollten Entscheidungen individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse und Umstände angepasst und gemeinsam getroffen werden. Mit dem klaren Ziel, eine bessere Arbeitswelt zu schaffen, die sowohl den Anforderungen der Beschäftigten als auch den Zielen der Unternehmen gerecht wird. Denn nur wenn der Mensch im Zentrum dieser Überlegungen steht und Raum für individuelle Lösungen bleibt, kann eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitswelt erreicht werden.

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